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Von Floerke und Frank Thelen: Was steckt hinter dem Ärger ums Start-Up?

Das Label Von Floerke ist derzeit in aller Munde. Und ebenso Investor Frank Thelen, der das Start-Up seit der Vorstellung in der VOX-Shop „Die Höhle der Löwen“ finanziell unterstützt hatte. Doch worum geht es bei dem Ärger eigentlich? Der Versuch, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Auf der Facebook Seite des Modelabels Von Floerke ist momentan einiges los. Und das hat nicht nur mit Mode oder anderen Artikeln aus dem Online Shop zu tun. Firmenchef David Schirrmacher legt sich hier öffentlich mit Investor Frank Thelen an, verkauft gar eine eigene Box, mit dem Ziel, Thelen aus dem Unternehmen zu kicken und ihn zur Rückgabe seiner Anteile zu bewegen. Weiterhin trinkt Schirrmacher in Live-Videos Alkohol und bietet seinen Kunden teils hohe Rabatte an. Seriosität sieht vielleicht anders aus.

Schirrmacher sieht sich im Recht, Thelen schätzt die Situation als traurig ein. Seiner Ansicht nach, habe man Von Floerke und Gründer Schirrmacher stets helfen wollen. Helfen dabei, das Label voranzubringen und helfen dabei, Von Floerke auf einen grünen Zweig zu bekommen. Inzwischen ist von Insolvenz, Insolvenzverschleppung und vielem mehr die Rede.



Und Schirrmacher? Der bezeichnet sich in einem Video als Insolvenzverwalter Schirrmacheros und sagt Dinge wie „Die Millionen sind weg – und ich auch“.

PR-Coup von David Schirrmacher? Rechtsweg von Frank Thelen!

Während Frank Thelen inzwischen Rechtsmittel gegen Schirrmacher und Von Floerke eingelegt hat – auch offizielle Anwaltsschreiben veröffentlichte Schirrmacher auf der Facebook Fanpage – und sich gegen die Behauptungen Schirrmachers und den Verkauf der Anti-Thelen Box zur Wehr setzen will, sehen andere die Lage gänzlich anders: Schirrmacher zum Beispiel. Der sieht in seinen Aktionen nämlich einen großen PR-Coup und will damit seine Firma, gleichermaßen aber auch kleinere Ableger davon, retten.

Seinen Aussagen zufolge, lohnen sich die Attacken auf Frank Thelen für Von Floerke – vor allem finanziell.

2014 gründete er Von Floerke und wollte hochwertige Herrenmode über den Online Shop vertreiben. Inzwischen gibt es ein größeres Sortiment, auch Alkohol wie Vodka und Jägermeister gibt es inzwischen im Shop.



2016 stellte er seine Firma dann bei VOX vor – und Frank Thelen investierte. Von ungefähr 180.000 Euro ist die Rede. Dafür gab es 16 Prozent der Anteile an Von Floerke. Der Auftritt im TV war ein Boost für das Label – Schirrmacher wollte daraufhin mehr. Viel mehr. Bestätigt wurde er nach seinen Angaben von Menschen aus seinem Umfeld.

Mehr Umsatz sorgte auch für größere Verluste

Von Floerke und damit auch David Schirrmacher wollte den Umsatz ankurbeln. Das gelang auch. Doch mit dem steigenden Umsatz stiegen auch die Ausgaben, das Unternehmen machte mehr und mehr Verluste.

Heute, so Schirrmacher, sieht er selber, dass er Fehler gemacht habe. Im Rückblick wünscht er sich, jemand hätte ihn unterstützt und ihm zu klügeren Investments geraten.

Im August 2017 suchte Von Floerke dann nach neuen Investoren, alles über eine Crowdfunding-Plattform. Und hier wurde mit dem Gesicht von Thelen geworben. Der wollte zu dem Zeitpunkt längst aus dem Unternehmen aussteigen. Einen Kaufvertrag gab es bereits.

1,2 Millionen Euro kamen noch einmal von unterschiedlichen Geldgebern zusammen. Fraglich ist heute, ob diese ihr Geld überhaupt noch einmal wiedersehen. Immerhin ist Von Floerke derzeit alles andere als finanziell stabil.

Neuerliche Investments scheiterten

Andere Investments scheiterten. 3,5 Millionen eines US-Investors gab es beispielsweise nicht, da diese irgendwie in den Verdacht der Geldwäsche gerieten. Und auch die Kunden merkten irgendwann, dass es Probleme geben musste. Sie warteten mitunter monatelang auf die bestellten Waren – obwohl diese bereits bezahlt war.

Frank Thelen und Von Floerke – was erfolgversprechend begann, war längst zu einer toxischen Beziehung geworden. Thelen sagte, er könne Schirrmacher nicht erreichen. Per WhatsApp gab es aber wohl doch Kontakt. Und dann kam Christian Schoenberger ins Spiel. Ein Getränkehändler mit zweifelhaftem Ruf.

Auch hierüber gab es internen Ärger. Laut Frank Thelen, sei er über die Entwicklung nicht informiert gewesen, Schirrmacher behauptet das Gegenteil.

Längst ist das Thema Schirrmacher gegen Thelen zu einer Schlammschlacht geworden. Für Von Floerke soll das vor allem eines mit sich bringen: höhere Umsätze. Doppelt so viel Umsatz wie an anderen Tagen soll das Label machen, wenn Schirrmacher öffentlich gegen Thelen stänkert.

Frank Thelen will damit – nachvollziehbar – nichts zu tun haben. Er glaubt, Schirrmacher schade sich und seiner Firma damit immens.

Schirrmacher hat inzwischen die laufenden Kosten reduziert. Schicke Büros gibt es nicht mehr und auch viele Mitarbeiter mussten schon gehen. Statt 150.000 Euro monatlichen Kosten sollen diese nun nur noch bei rund 20.000 Euro liegen. Dennoch steht eine Insolvenz nach wie vor im Raum. Um diese abzuwenden, müsste sich Schirrmacher mit seinen Gläubigern einigen können. Bezahlen kann er diese derzeit nicht, wie es heißt.

Er möchte das Label Von Floerke nun auf ein stabiles Fundament bringen und hat für sich einen Schluss gezogen: Wachstum ist nicht alles!

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