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Interview mit Beat Blaser von Falkensteiner Ventures

Kannst du dich bitte unseren Lesern kurz vorstellen? Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Beat Blaser und ich bin Schweizer, Managing Partner und Co-Founder von Falkensteiner Ventures. Zusammen mit Unternehmer und Hotelier Erich Falkensteiner und Andreas Arquin habe ich Falkensteiner Ventures vor anderthalb Jahren gegründet. Bis dahin war ich in verschiedenen Rollen bei Thomas Cook in zahlreichen Märkten Europas tätig, was mir einen breiten und tiefen Einblick in die Travel-, Hospitality-, OTA- und Airline-Szene von Schweden bis Italien, von Frankreich bis Polen ermöglicht hat.

Mit Falkensteiner Ventures unterstützen wir Startups aus dem Tourismus- und Hospitality-Bereich.



Was ist das Besondere an Falkensteiner Ventures?

Wir sind ein ‚Boutique Venture Capital Accelerator’, ausschliesslich auf Hospitality, Travel, Leisure und Altenpflege fokussiert. Hier kennen wir uns gut aus und helfen Startups mit unserer Erfahrung, unserem Netzwerk und Smart Money ab der Early Stage oder Seed-Phase. Das heißt wir arbeiten aktiv mit, wenn es darum geht, Türen zu öffnen oder Steine aus dem Weg zu schaffen.

Besonders macht uns ausserdem unsere Teamkonstellation mit Chairman Erich Falkensteiner und seiner Unternehmensgruppe mit Hotelkette, Hotel Development, Reiseveranstalter, Incoming-Agentur, Gastro-Einkauf-Service usw. Falkensteiner Ventures ist allerdings komplett unabhängig von diesen anderen Unternehmen, um nicht in Zielkonflikte mit unseren Investitionen zu geraten. Wenn sich Synergien anbieten, etwa zum Pilotieren von Startups, ist die Unternehmensgruppe extrem hilfreich.

Wie geht ihr als Investoren auf Startup-Scouting?



Zum einen erfreuen wir uns über einen wirklich guten Dealflow aus ganz Europa und darüber hinaus. So haben wir seit Beginn über 500 Pitchdecks und Startups aus Travel und Hospitality gesehen, die sich bei uns um eine Investition beworben hatten. Hierbei hilft natürlich der prominente Name von Erich Falkensteiner und meine bisherige Exposure in der Industrie in Europa. Abgesehen von diesem ‚Stream‘ entwickeln wir auch selber Ideen und Konzepte und gehen dann aktiv auf die Suche nach schon vorhandenen Startups in dem Bereich und falls es diese nicht gibt, stellen wir Gründerteams zusammen.

Was muss ein Startup mitbringen, damit ihr investiert?

Natürlich muss es in unseren strategischen Suchkorridor fallen. Dann sind für uns am wichtigsten die Gründer – nie Einzelpersonen, immer Team. Und wir sollten natürlich gemeinsam clicken, eine Wertebasis haben, die matched. Team ist noch wichtiger als die Geschäftsidee und das Marktpotenzial als solche. Bei guten Teams korreliert das jedoch immer hochgradig miteinander: gute Teams bringen immer starke Ideen – und hinter starken Ideen stehen immer gute Teams.

Welche Startups sind für Investoren gerade besonders gefragt?

Ich kann nicht für die Allgemeinheit sprechen – jeder Investor hat seine eigene Strategie. Wir suchen zum Beispiel aktiv nach Technologie-Problemlösungen, die die Abläufe in der Hotellerie effizienter gestalten. So haben wir vor kurzem in eine Warenwirtschaftslösung namens Avisio investiert. Ebenso bündeln wir Aktivitäten im Bereich Vacation Rental und Camping/Glamping/Mobile Homes. In letzterem Bereich gibt es einigen Nachholbedarf an Technologisierung und wir finden es spannend, das Scharnier zu sein zwischen der Old und New Economy.

Am liebsten ist es uns, wenn wir schon sehr früh, gerne auch schon ab Konzept- oder Ideen-Phase involviert werden und das Geschäftsvorhaben dann gemeinsam zur Reife bringen.

Wann macht ein Exit für Startups Sinn und worauf kommt es an?

Die Schwierigkeit hier liegt darin zu bewerten wann der beste Zeitpunkt erreicht ist. Ist es strategisch noch besser abzuwarten auf eine höhere Bewertung in ein, zwei Jahren oder hat man den Zenit für einen Exit bereits erreicht? Dazu hat jedes Startup seine eigene Geschichte – und auch Mitbewerber bzw. Übernehmer. Man kann das nicht verallgemeinern. Hilfreich bei einer Exit-Entscheidung ist sicher ein starkes Team aus Gründern und Investoren, die alle am gleichen Strick ziehen.

Was würdet ihr Gründern im Hospitality- und Tourismus-Bereich raten?

Legt viel Wert auf ein starkes Team aus Gründern und die richtigen Investoren in jeder Phase. Die richtigen Investoren an Board zu haben ist fast genauso wichtig, wie das richtige Setup beim Gründerteam.

Was würdet ihr euch von der Gründerlandschaft in der DACH-Region wünschen?

Noch mehr Ideenreichtum und Mut, Themen anzugehen, die noch keiner angepackt hat. Oder auch das Transponieren von Konzepten in den Hospitality und Travel Bereich, die in anderen Industrien erfolgreich sind. Da gib es noch viel Potenzial, aber es braucht auch den Scharfsinn, dieses zu erkennen.

In vielen Regionen in DACH ist die Unterstützung für Startups mit Infrastruktur und Förderung wirklich mustergültig, zum Wettbewerbsfaktor oder Must-have geworden.  

Wünschen tun wir uns, dass umgekehrt die bürokratischen Hürden und Forderungen, die damit teilweise einhergehen nicht Überhand nehmen. Wie etwa die Diskussion in Berlin nach Tarifvertrag und Betriebsrat bei Startups.

Gerade hat RateBoard, ein Startup in das ihr investiert habt, einen Multimillionen-Exit hingelegt. Welche Rolle habt ihr bei dem Exit gespielt?

Unser Partner Andreas Arquin hat von der Firmengründung bis zum Exit die Finanzabteilung von RateBoard verantwortet, von der Buchhaltung bis zur Due Dilligence. Erich Falkensteiner hat mit seinem touristischen Netzwerk viele Wege und Kontakte geebnet, die für das junge Unternehmen sicher auch erfolgskritisch waren.

Wie könnt ihr Gründerteams außerdem bei Exits unterstützen?

Wir bringen hier unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ein: Erich Falkensteiner hat in seinem Leben über 90 Unternehmen gegründet, einige davon auch erfolgreich verkauft. Daneben wissen wir, wie es in großen Konzernen – also den potenziellen Käufern – zugeht, mit all ihren vielen Pros und Cons. Und sicher auch durch unsere jüngste Erfahrung mit dem RateBoard-Exit: vor allem bei den strategischen Verhandlungen und vertraglichen Vereinbarungen. Bei RateBoard wurde durch die Skills von Andreas und den anderen Investoren kein externer M&A Berater hinzu gezogen.

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