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Gerry Weber Insolvenz: Gründer gesteht Fehler ein

Die Modekette Gerry Weber ist insolvent. Nachdem bereits im Januar 2019 Insolvenz beantragt wurde und rund 200 Filialen die Schließung droht, äußerte sich Gründer Gerhard Weber nun zur aktuellen Lage. Dabei gestand der Patriarch auch eigene Fehler ein.

Als Hauptgrund für die finanzielle Schieflage des Konzerns sieht Gerhard Weber den Bau des neuen Logistikzentrums. Viel zu teuer und viel zu groß sei die 2015 in Betrieb genommene Halle gewesen.

Der 77-Jährige hält derzeit 29,6 Prozent der Unternehmensaktien. 1973 hatte er die Firma zusammen mit einem Partner gegründet – und auch jetzt nimmt sich Weber nicht aus der Verantwortung. Er gibt eigene Fehler zu. Dazu gehöre seiner Ansicht nach auch, dass die Marke nicht ausreichend verjüngt wurde. Mangelnde Konsequenz sei dies möglicherweise gewesen, vermutet er. Allerdings sieht er auch einen Weg, das Unternehmen zu retten.



Die Sanierung sei auch bei der Beantragung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Bielefeld im Januar das Ziel gewesen. Für die Tochterfirma Gerry Weber Retail GmbH wurde im Februar ein ebensolcher Antrag gestellt. Dennoch werden wohl Standorte geschlossen und Mitarbeiter entlassen.

Laut einem Unternehmenssprecher ist es bisher noch nicht absehbar, wie viele und welche Gerry Weber Filialen geschlossen werden sollen.

Gerry Weber Aktie fällt erneut um 15 Prozent

Erst gestern fiel die Aktie des Konzerns erneut deutlich. 15 Prozent Verlust waren zu verzeichnen. Möglicherweise führt auch das Verhalten von Ralf Weber, Sohn von Gerhard Weber und bis Ende Oktober 2018 Vorstandsvorsitzender des Konzerns, für den rasanten Fall der Aktie.

Sein Wechsel in den Aufsichtsrat sollte einen Wandel einläuten und dafür sorgen, die Firma zu retten. Ralf Weber hat zwischenzeitlich aber rund zwei Prozent seiner Aktienanteile der Firma veräußert. Der Wert: knappe 460.000 Euro.



Dass dieses Verhalten bei den Aktionären nicht gerade für Vertrauen sorgt, ist nachvollziehbar. Und für die Marke Gerry Weber wird es damit noch schwieriger, aus der prekären Lage herauszukommen.

Der Abstieg von Gerry Weber

Noch im Geschäftsjahr 2016/2017 machte Gerry Weber einen Umsatz von 881 Millionen Euro. Nachdem im Frühjahr 2015 die Kette Hallhuber übernommen wurde, schloss Gerry Weber im Jahr 2016 mehr als 103 Filialen – aus finanziellen Gründen.

Die neue Marke für Damenmode „talkabout“ aus dem Sommer des gleichen Jahres wurde indes nicht in eigenen Filialen angeboten, sondern stattdessen bei Partnern verkauft.

Tipps für Gründer: Lösungen bei einer drohenden Insolvenz

Wer ein Unternehmen gründet, möchte eine finanzielle Schieflage oder gar eine Insolvenz möglichst vermeiden. Dafür ist es ratsam, schon von Beginn an klare Strukturen zu schaffen – vor allem in finanzieller Hinsicht.

Vor allem im Bereich Betriebswirtschaft sollten daher zumindest die Grundlagen beherrscht werden. Hierbei kann man durchaus auch auf Software-Lösungen für die Buchhaltung zurückgreifen. Ansonsten lohnt sich in den meisten Fällen auch das Einbeziehen eines professionellen Steuerberaters. Dieser hat finanzielle Schwierigkeiten dann zumeist sofort im Blick.

Hinzu kommt, dass man in ein Unternehmen Zeit, Ehrgeiz und Fleiß investieren muss. Man kann eben keine Firma gründen und davon ausgehen, dass diese von alleine läuft und sich selber trägt. Eine Firmengründung ist mit viel Aufwand und Arbeit verbunden. Das muss man als Gründer zwingend einkalkulieren.

Dazu gehört auch, dass das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung frei von jeglichen Mängeln ist und dass mögliche Fehler schnellstmöglich behoben werden. Schon im Vorfeld sollte man als Gründer zudem die eigene Zielgruppe ermitteln und kennenlernen. Nur so kann man letztlich auch Erfolg haben. Gleichermaßen ist auch eine Konkurrenzanalyse hilfreich. So können Chancen am Markt ausgelotet werden.

Bei Gerry Weber lag die aktuelle Insolvenzlage wohl auch an der fehlenden Verjüngung der Marke. Und das macht deutlich, dass man auch nach einer erfolgreichen Gründung immer am Ball bleiben muss und Stillstand keine Option darstellt.

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