Finanzen, Interviews, Startups

Interview mit Boris Hardi von capmatcher – „Unser Team hat jahrzehntelange Erfahrung“

Kannst du dich bitte unseren Lesern kurz vorstellen? Wer bist du und was machst du?

Ich heiße Boris Hardi, dreifacher Vater, Ehemann, Unternehmensberater und Business Angel Investor. In den letzten 20 Jahren war ich hauptsächlich für US Amerikanische Private Equity und Hedge Fonds in Deutschland tätig. Komplexe Investments mit angelsächsischer Prägung haben mich viele Jahre beschäftigt. Seit 5 Jahren investiere ich selbst als Business Angel und Investor in junge Unternehmen und habe auch eine Immobiliengesellschaft an die Börse gebracht.

Was genau macht ihr und was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?



Im Rahmen meiner Investments als Angel Investor und unserer Suche nach Startup-Investments mit Potenzial stellte ich fest, dass es faktisch unmöglich ist, bei Bewerbungen in Form von Hunderten von Pitchdecks den Überblick zu behalten bzw. jedem Pitch die Aufmerksamkeit zu schenken, die sich das Startup verdient hätte. Der Prozess frisst viel Zeit und Kosten – und dennoch läuft man Gefahr, nicht jeder Anfrage genügend Zeit geschenkt zu haben. So geht es vielen Investoren. Und das ist insbesondere deshalb schade, da Investoren händeringend nach passenden Startups suchen und ja investieren wollen, während viele spannende Startups übersehen werden. Das Problem: Die Unterlagen der Startups lassen sich schwer miteinander vergleichen und häufig fehlen zwei, drei relevante Zahlen, um das Unternehmen entsprechend zu bewerten.

Ich entwickelte ich für mich selber ein Formular, mit dem ich eine geeignete Datentiefe sowie die notwendige Objektivität und Vergleichbarkeit erreichen konnte. Somit entstand ein replizierbarer, systematischer Prozess, um eine erste Vorauswahl treffen zu können. Diesen Prozess bieten wir Startups inzwischen kostenlos an. Neben dem Fragenkatalog, der die wichtigsten Fragen bzgl. eines Startups aus Investorenperspektive bereithält, erhalten alle Startups, die die Fragen sinnvoll beantworten können, anschließend ein individuelles, von uns händisch geprüftes Exposé zur freien Verwendung. Zusätzlich stellen wir Startups anschließend bei passenden Investoren vor, die nach genau den Kriterien suchen, durch die ein jeweiliges Startup charakterisiert ist. Investoren profitieren hiervon, da sie in kürzester Zeit vorqualifizierte und kuratierte Daten von relevanten Startups screenen können.

Welches Know-how bringt ihr dafür mit?

Unser Team hat jahrzehntelange Erfahrung im Bereich von Private Equity und Venture Capital Investments, sowohl auf der Buy- als auch auf der Sell-Side sowie im Aufbau schlanker, schnell wachsender Gründungsprojekte.



Wie sollten Start-ups bei der Investorensuche am besten vorgehen?

Wichtig ist, dass das Startup sich extern challengen lässt und sich nicht scheut, eine zweite Meinungen einzuholen. Eines unserer aktuellen Beispiele: Investoren suchen derzeit vermehrt nach Artificial-Intelligence-Startups. Es gibt viele Investoren, die hier investieren wollen und sich daher auf dieses Vertical spezialisieren. Der Begriff ist aber nicht klar definiert. Startup A entwickelt bspw. ein Machine-Learning-Tool und fokussiert sich bei der Investorensuche – falls überhaupt – auf B2B-Software-Investoren. Eine Suche im Bereich A.I. führt jedoch zu sehr viel relevanteren Investoren, die sich ihrerseits auf neue Projekte in diesem Bereich freuen würden. Leider werden hier schon im Vertical Fehler gemacht, das Matching von Startup und Investor ist ineffizient. Und das ist nur der erste Schritt. Es ist also sehr wichtig, sein eigenes Startup auch aus der Perspektive eines Investors zu sehen und absolute Transparenz über seine  Zahlen und Fakten zu haben:  In welchem Markt bin ich unterwegs? Wie passt mein Produkt bzw. meine Dienstleistung dort hinein? Kann mit der Lösung auch Geld verdient werden? Und sehr häufig vernachlässigt: Gibt es zu meiner Lösung auch wirklich das zugehörige Problem?

Wo sitzt Ihr und warum habt Ihr Euch für diesen Standort entschieden? Was findet Ihr besonders gut an Eurem Standort?

Wir leben und lieben München. Ich bin dort vor 6,5 Jahren hingezogen, um einen neuen Posten damals als stlv. Immobilienvorstand bei der FMS Wertmanagement AöR anzutreten. München ist eine unglaublich lebenswerte Stadt. Die Startup-Szene, die Universitäten sowie die verschiedenen hochinnovativen, internationalen Firmen und deren Mitarbeiter machen es lebenswert und bieten jeden Tag spannende Projekte. Nicht zuletzt natürlich auch die Biergärten.

Was sind Eure Planungen für die nächsten Jahre? Wachstumsprognose etc.?

Wir sind überwältigt vom Feedback der Startups, die sich bei capmatcher melden. Wir haben derzeit deutlich über 100 Bewerbungen pro Monat, Investoren schätzen unsere Exposés und teilen diese bereits selbstständig untereinander, was uns sehr freut und für uns ein wichtiges Indiz ist, dass wir mit unserem Konzept einen entscheidenden Mehrwert leisten. Wir wollen im ersten Halbjahr 2019 nach USA und UK expandieren und bis Juni 500 hochwertige deutsche Startups vertreten. Das sind dann mehr als 300 Millionen Euro aktiver Kapitalbedarf in der Gründungsszene. Das wird viele VCs und Angels interessieren. Hier wollen wir mit der Expansion auch die neuen Märkte erschließen und US Investoren auf deutsche Startups aufmerksam machen. Gleichzeitig sind skalierbare Geschäftsmodelle in den USA für n deutsche VCs und Angels spannende Investment Cases.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihr auf Eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Ganz ehrlich – wir hatten bisher keine Schwierigkeiten. Mein Partner Philipp und ich sind ein eingespieltes Team und wir haben bisher für jede Situation (ich vermeide das Wort Problem) zügig eine Lösung gefunden.

Welche Informationsquellen für Gründer (Blogs, Webangebote, Magazin, Bücher, Beratungsstellen) könnt ihr anderen Gründern empfehlen?

Unseren Startup- und Investoren-Blog auf capmatcher.com empfehle ich gern. Hier finden sich schon einige detaillierte Infos. Auf unseren regelmäßigen Meetups vor Ort beantworten wir Fragen am Fließband und vernetzen Gründer untereinander oder Gründer und Investoren. Das erste Getränk geht übrigens immer auf uns.

Gibt es Vorbilder aus der Gründer- bzw. Startupszene?

Jaein. Für mich sind es nicht die Einhörner, die interessant sind oder die selektiv wahrgenommenen Erfolgsgeschichten, sondern die Menschen dahinter, ihre Geschichten und ihre Motivation. Aber Chris Sacca von lower case capital ist ein toller Typ. Ich liebe seine Outfits und seine Stories.

Was würdet Ihr Euch von der Gründerlandschaft in Deutschland oder auch an eurem Standort wünschen?

Wir sind happy, in Deutschland zu leben und zu gründen. Die Menschen sind erfinderisch und motiviert, gleichzeitig verfügt Deutschland mit die höchste Rechtssicherheit. Allerdings könnte in der Gründerszene noch viel mehr gehen. Wir können noch viel bewegen und brauchen deutlich mehr “offline im online business”. Die Gründerszene ist real. Darum gilt es, sich mit anderen Gründern und Investoren auch in der “anfassbaren” Welt zu vernetzen.

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