Wer heute auf den deutschen Legal-Tech-Markt blickt, kommt an einem Namen kaum noch vorbei: rightmart. Mit über 430 Mitarbeitenden, mehr als 100 Anwältinnen und Anwälten an Standorten in Bremen und Berlin und über einer Million bearbeiteten Verbraucheranfragen pro Jahr ist das Unternehmen ein absolutes Schwergewicht. Zuletzt sorgte rightmart mit einer Finanzierungsrunde von 27,5 Millionen Euro und der Übernahme des Berliner Konkurrenten Legal One für Schlagzeilen.
Doch die Geschichte von rightmart begann deutlich kleiner, bodenständiger – und mit einer gehörigen Portion „Schwarmfinanzierung“. Es ist eine klassische Start-up-Story über Visionen, mutige Pivots und die Kraft der Crowd.
Die Gründung 2015: Das Recht demokratisieren
Gegründet wurde rightmart 2015 von Marco Klock, Philipp Harsleben, Jan Frederik Strasmann und Philipp Hammerich im beschaulichen Bremen. Der rechtliche Beistand in Deutschland war zu dieser Zeit für Normalverbraucher vor allem eins: teuer, undurchsichtig und von hohen Hürden geprägt. Die Gründer waren vernarrt in die Idee, eigene Software zu entwickeln, um rechtliche Prozesse zu automatisieren und standardisieren. Das Ziel war klar formuliert: Access to Justice – den Zugang zum Recht für jeden Bürger bezahlbar und einfach zu machen.
Ein erstes, äußerst erfolgreiches Projekt unter dem Dach von rightmart war hartz4widerspruch.de (heute auf Bürgergeld angepasst), womit zehntausende fehlerhafte Bescheide von Jobcentern für die Betroffenen kostenlos geprüft und angefochten wurden.
Der Ritterschlag durch die Crowd (2016/2017)
Um dieses rasante frühe Wachstum zu finanzieren und die Software-Infrastruktur auszubauen, wählte rightmart einen Weg, der perfekt zur Unternehmens-DNA passte: Crowdinvesting. Auf der Plattform Seedmatch startete das Team eine Kampagne, um bis zu 400.000 Euro von Kleinanlegern einzusammeln.
Dieser Schritt war in doppelter Hinsicht genial. Zum einen sicherte er dringend benötigtes Kapital in einer Phase, in der klassische VCs dem Legal-Tech-Markt oft noch skeptisch gegenüberstanden. Zum anderen war es ein exzellenter Proof of Concept: Ein Start-up, das den Rechtsmarkt für den „kleinen Mann“ demokratisieren will, lässt sich von eben jener Crowd finanzieren (bereits ab 250 Euro war man dabei). Die Unterstützer der ersten Stunde glaubten an die Vision, dass Algorithmen und smarte Software den verstaubten Anwaltsmarkt aufmischen können.
Der Pivot: Vom Software-Anbieter zur Kanzlei
Wie bei fast jedem erfolgreichen Start-up verlief die Reise auch bei rightmart nicht stur nach dem ersten Businessplan. In den ersten Jahren verstand sich das Unternehmen primär als Legal-Tech-Schmiede – der Fokus lag auf Algorithmen, Automatisierung und digitalen Produkten.
Doch das Team merkte schnell: Der Verbraucher sucht bei einem rechtlichen Problem nicht nur eine clevere Software, sondern echte menschliche Expertise, die ihm den Rücken stärkt. Das führte zum wohl wichtigsten „Pivot“ (Strategiewechsel) in der Unternehmensgeschichte. Rightmart wandelte sein Selbstverständnis und baute sich zur echten Kanzlei für Verbraucherinnen und Verbraucher um. Man nutzte die selbstgebaute, hocheffiziente Technologie im Hintergrund, stellte aber den Mandantenanwalt und persönliche Fallteams in den Vordergrund. „Wir sind im Herzen noch eine Legal-Tech-Kanzlei, aber unser Selbstverständnis ist das eines Dienstleisters“, beschrieb Gründer Marco Klock diesen Wandel in einem Interview.
Wo rightmart heute steht
Der Mut zur Skalierung hat sich ausgezahlt. Heute operiert die rightmart Group weit jenseits von Crowdfunding-Zielen. Mit der angesprochenen Rekordfinanzierung von 27,5 Millionen Euro im Rücken hat sich das Unternehmen verdoppelt und sich endgültig als Marktführer im Verbraucherrecht etabliert.
Die Zahlen sprechen für sich:
- Masse & Klasse: Pro Jahr vertrauen rund 1,2 Millionen Verbraucher rightmart ihr Rechtsproblem an – vom Verkehrsrecht über das Arbeitsrecht bis hin zum Sozialrecht.
- Team-Größe: Aus dem kleinen Bremer Gründerteam ist eine 430-köpfige Organisation geworden, die sich paritätisch auf die Standorte Bremen und Berlin (durch die Legal-One-Übernahme) aufteilt.
- Das Versprechen: Dank der starken technologischen Basis im Hintergrund kann rightmart heute Garantien abgeben, von denen klassische Kanzleien nur träumen. Mandanten erhalten innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, können den Status ihrer Akte live per App tracken und profitieren von Prozessfinanzierungsmodellen, bei denen sie keinerlei eigenes Kostenrisiko tragen.
Fazit: Was Gründer von rightmart lernen können
Die Entwicklung von rightmart ist eine absolute Erfolgsgeschichte der deutschen Legal-Tech-Szene. Für andere Gründer hält sie wertvolle Lektionen bereit:
- Nutze die Crowd zur Validierung: Wer ein Produkt für die breite Masse baut, findet beim Crowdinvesting nicht nur Geld, sondern auch loyale Markenbotschafter.
- Kenne deine Stärken (aber bleibe flexibel): Die Software war der Türöffner, aber erst die Kombination aus Tech und klassischen Anwälten brachte den massiven Durchbruch.
- Norddeutsche Ruhe: Trotz des rasanten Wachstums betonen die Gründer oft, dass ihnen der Hauptsitz in Bremen – weit weg vom teils überhitzten Berliner Start-up-Hype – die nötige Ruhe für nachhaltige Entscheidungen gegeben hat.
Vom Seedmatch-Pitchdeck zur größten Verbraucherkanzlei des Landes: rightmart hat eindrucksvoll bewiesen, dass man den Rechtsmarkt revolutionieren kann – wenn man die perfekte Balance zwischen Algorithmus und Anwalt findet.
