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Wie Online Broker unter dem Bruch mit der EU leiden könnten

Trading-Plattformen für den Finanzmarkt haben in England bzw. in London schon Tradition. Hier sind einige der erfolgreichsten Broker und Plattformen entstanden, die international große Bedeutung erlangt haben. Zu Ihnen gehören Top-Anbieter wie CMC Markets oder auch Plus500 oder IG.

Nun steht im Rahmen des Brexit der Bruch mit europäischen Regulierungen an, der gewaltige Auswirkungen auf die Broker, Plattformen und den Online-Trading Markt im Allgemeinen haben könnte. Warum das so ist, was das genau bedeutet und wie man als Trader reagieren sollte, haben wir hier für Sie unter die Lupe genommen.

Direkte Auswirkungen des Brexit auf Broker und Plattformen

Die großen britischen Forex-Broker konnten in den letzten Jahren enorme Gewinne einstreichen. Hauptgrund dafür sind CFD-Geschäfte (Contract for difference) gewesen. Hierbei handelt es sich um Derivate, mit denen man auf die Preisentwicklung bestimmter Assets wetten und dabei Hebeleffekte einsetzen kann.

Nun wurden bereits 2018 die Regeln für den maximalen Hebel für private Trader angepasst und deutlich reduziert, um das Risiko von Totalverlusten für private Trader zu reduzieren. London bzw. England gilt als einer der treibenden Kräfte wenn es um eine möglichst geringe Regulierung und Aufrechterhaltung von CFDs im Online Trading Markt geht. Da dieser Einfluss der Briten in Zukunft fehlen wird, wenn es um EU-Regulierungen der Finanzmärkte geht, ist es sehr wahrscheinlich, dass es beachtliche weitere Einschränkungen und Einschnitte im Bereich der CFDs geben wird. Dies wird die Londoner Big Player hart treffen. CMC Markets rechnet beispielsweise mit einem Rückgang der Profite aus CFDs um 20% pro Jahr. Dies hat sich unmittelbar auf den Wert der großen Plattformen ausgewirkt, sodass es einen regelrechten Einbruch im September und Oktober 2018 gab. Spürbar ist dieser Einbruch nicht nur bei der CMC Markets Aktie, sondern auch bei anderen Brokern wie Plus500 oder der IG Group.

Bedeutung des Passport

EU Finanzunternehmen können Ihre Dienstleistungen in allen Mitgliedsstaaten anbieten, sofern ein ‚Passport‘ vorhanden ist. Diesen erhält man im Rahmen des Nachweises der Regulierung in einem EU-Mitgliedsstaat. Insbesondere Broker aus Großbritannien und Zypern sind grenzüberschreitend tätig. Tritt England nun aus der EU aus, verlieren die dort ansässigen Unternehmen diesen Pass und können daher nicht mehr im Rest der EU tätig sein.

Auswirkungen auf die Trader

Verbrennen Trader, die mit Brokern aus England arbeiten bald ihr Geld? – Quelle: Pixabay

Als Trader kann man auf verschiedene Weisen mit diesem Umstand umgehen. Es ist damit zu rechnen, dass die Märkte deutlich volatiler werden, sodass es schwierig werden kann, die Entwicklung einzuschätzen.

Wichtig ist aber vor allem eines: Man sollte sich aktiv mit seinem Portfolio auseinandersetzen und überlegen, ob es gegebenenfalls sinnvoll ist, Positionen zu reduzieren und das Money-Management an die veränderte Situation anzupassen. Je näher das Ausstiegsdatum rückt, desto anfälliger werden die Märkte sein. Die Auswirkungen des Brexit auf den Forex-Markt sollten daher als Trader keinesfalls unterschätzt werden.

Vertrauensvolle Broker finden

Gegebenenfalls macht es Sinn, über einen Broker-Wechsel nachzudenken. Wenn Sie derzeit stark mit einem britischen Broker zusammenarbeiten, empfehlen wir daher unbedingt, sich mit anderen empfehlenswerten Brokern und Plattformen intensiv zu befassen und zu überlegen, ob es der Zukunftsfähigkeit wegen sinnvoll sein kann, den Broker zu wechseln. Denn letztendlich kann man davon ausgehen, dass die Volatilität bei Plattformen innerhalb der EU nach dem Brexit deutlich geringer ausfallen wird als jene der in Großbritannien ansässigen Broker und Plattformen.

Entwicklungsmöglichkeiten

Letztendlich kann heute noch niemand vorhersagen, wie genau der Einfluss der Briten auf den Finanzmarkt zukünftig sein wird. Insbesondere auch deshalb, da noch unklar ist, ob eine Spezialregelung mit England für die Finanzdienstleister getroffen werden kann. Diese Option ist durchaus sehr realistisch und kann für eine starke Abdämpfung der Volatilität sorgen. Hier könnten Regelungen mit Ländern wie Norwegen oder Island dienen, die ebenfalls grenzüberschreitend agieren dürfen, aber nicht zur EU gehören. Ein enormer Einbruch ist daher keinesfalls vorprogrammiert, sondern lediglich eine von mehreren Möglichkeiten.

Insbesondere durch die hohe Bedeutung der Regulierungsbehörde FCA auf EU-Ebene kann dazu beitragen, dass man das Knowhow in der EU weiterhin nutzen möchte und die britische FCA auch bei zukünftigen Entscheidungen zum Finanzmarkt mit ins Boot nimmt. Außerdem ist es natürlich durchaus denkbar, dass die großen britischen Finanzdienstleister schlichtweg den Weg gehen, Niederlassungen bzw. Tochterunternehmen in EU-Mitgliedsstaaten eröffnen, um den Hürden gänzlich aus dem Weg zu gehen. Auch dies würde die Märkte beruhigen und für zusätzliche Sicherheit bei Tradern sorgen. Zudem darf man als Trader auch zukünftig sein Konto in Großbritannien weiter nutzen, das steht bereits heute fest.

Auswirkungen auf andere Bereiche

Um zu verstehen, wie stark die Auswirkungen des Brexit auf den gesamten Markt sind, muss man als Broker und Trader auch über den Tellerrand hinausschauen. Bereits im August 2018 berichteten wir, dass der Anteil an Startups in Berlin seit dem EU-Referendum um 56% gestiegen ist. Gleichzeitig hat die Londoner Startup-Szene deutlich an Bedeutung verloren. Insbesondere der Startup-Markt hat im Rahmen der Digitalisierung und dem digitalen Handel aber eine herausragende Bedeutung eingenommen. Sowohl für Investoren (Angel Investoren im Startup-Bereich) als auch als Indikator für das Städteranking und die internationale Konkurrenz der Städte, sich als attraktiver Partner für neue Märkte zu präsentieren.

Verliert London hier weiter an Boden, wird es nicht nur bei den negativen Auswirkungen auf Startups, Online Broker und Trader bleiben, sondern sich in allen Bereichen niederschlagen, vom Rückgang an internationalen Investoren bis hin zum lokalen Arbeitsmarkt.

Fazit

Panikmache wäre jetzt der falsche Weg und es kann durchaus auch Sinn machen, als Trader erst einmal abzuwarten, wie sich die Märkte entwickeln. Dennoch empfehlen wir bereits heute, einen Blick über den Tellerrand hinaus zu werfen und sich mit Alternativen zum Portfolio zu befassen. Insbesondere wer derzeit stark mit Brokern aus England zusammenarbeitet, sollte sich noch intensiver mit den aktuellen Entwicklungen befassen und die Märkte genau im Auge behalten.

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