Interviews, Startups

Interview mit Sarah Schlesinger von makasa

Copyright by makasa – Sarah Schlesinger

Kannst du dich bitte unseren Lesern kurz vorstellen? Wer bist du und was machst du?

Hallo, ich bin Sarah und die Gründerin von makasa und biete mit meinem Team durch Curated Ausbau Shopping Lösungen zur Renovierung für Wohnraumbesitzer. Zuvor war ich beim zweitgrößten Shoppingcenter-Entwickler und -Management-Unternehmen Deutschlands mfi, mittlerweile Unibail Rodamco, als geschäftsführende Leiterin für Betrieb und Marketing tätig. Zwischen Konzern-Prozessgetriebenheit, dem Transfer von Centern in die digitale Welt und der eigenen Renovierung Zuhause entwickelte sich die Idee von makasa.

Was genau macht dein Start-Up und was ist das Besondere an der Geschäftsidee?

So wie mein Mann und ich, stehen Immobilienkäufer und -Besitzer wiederkehrend vor Renovierungs- und Modernisierungsbedarf. Gerade beim ersten Immobilienkauf hat man besonders hohe Erwartungen und Ansprüche daran, wie es Zuhause später aussehen soll. Der Traum vom Eigenheim ist in der Wirklichkeit aber bei weitem nicht so idyllisch, wie wir es aus Hollywoodfilmen kennen. Welche Wandfarbe ist die richtige, welcher Boden passt, welche Kombination hat eine schöne Wirkung und was passt überhaupt zum Lebensstil? Wir kennen das: man fährt in Baumärkte, Parkett- und Fliesenausstellungen und bringt immer wieder neue Bretter und Farbkärtchen mit – zum „Probeliegen“. Das ist sehr zeitintensiv und garantiert kein atemberaubendes Ergebnis. Für die vielen Fragen wie „Geht das?“ oder „Was muss eigentlich gemacht werden?“ gibt es keinen Ansprechpartner, der schnell und einfach zu allem Antworten liefert.

Auf Grundlage von digitaler Prozessoptimierung aus dem Shoppingcenter-Bereich hat makasa mit einer eigenentwickelten Bedarfsermittlungs-Software eine einfache Lösung geschaffen, die unseren Kunden erstmals alle wichtigen Fragen direkt beantworten: sie wissen genau, was möglich ist, wie es später aussehen wird, was die Traumerfüllung kostet und wann eingezogen werden kann. Wir übernehmen ab da auch die Ausführung. Das ist eine enorme Erleichterung für den Gesamtprozess und verhindert so manche Diskussionen, wodurch makasa auch indirekt Partnerschaften entlastet.

Gab es bereits eine Seed-Finanzierung? Crowdfunding? Oder gibt es Business-Angel, die dich bei deinem Vorhaben unterstützen?

Unser Glück ist, seit Beginn von einem Business Angel unterstützt zu werden. So konnten wir die Entwicklung von makasa kontinuierlich fortführen und den Fokus wirklich aufs Business legen. Zudem haben wir letztes Jahr den Kundeninnovationspreis von der Goethe Universität Frankfurt und dem Deutschen Institut für Service-Qualität bekommen und damit noch eine wichtige, immaterielle Bestätigung für makasa erhalten. Das war natürlich ein absolutes Highlight für uns, das uns die Motivation gibt immer weiter zu machen.

Was findest du besonders gut an deinem Standort?

Wuppertal als Standort zu wählen hat mehrere Vorteile: Neben verkehrstechnische Vorteilen und einem guten Klima für Gründung und Wachstum junger Unternehmen im bergischen Städtedreieck, bietet die strategische Firmensitz-Positionierung makasa folgendes: Eine vorteilhafte Partnerschaft mit der CM Immobilien GmbH: Dieses seit Gründung 2014 unter den 5. größten deutschen Centermanagement-Unternehmung (zeitweise strategisches Joint Venture mit JLL) stark gewachsene Firmenkonstrukt unseres Business Angels Herrn Dr. Hüttermann und ehemaligem mfi-Kollegen Christian Assenmacher bietet makasa optimale Infrastruktur in den geteilten Büroräumen. Gleichzeitig haben so beide Unternehmen und die handelnden Personen viele Vorteile durch Synergieeffekte der zusammenkommenden Kompetenzen auf gemeinsamem Raum.

Gleichzeitig findet sich im nahen Einzugsgebiet enormes Kunden- und Ausbaupotential, da gut 21% aller deutschen Wohneinheiten in NRW, dem mit knapp 18 Millionen bevölkerungsstärksten Bundesland, liegen – und durch die naheliegenden Großstädte wie Köln und Düsseldorf mit Ausbauboom eine stetig wachsende Tendenz aufweisen.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die du auf deinem Gründungsweg überwinden musstest?

Ich habe allein gegründet. Das hat sicher viele Vorteile, aber gerade in den ersten Jahren gibt es viele düstere Stunden, in denen ein Sparringpartner Gold wert ist. Daher ist die Auswahl der richtigen Teammitglieder in dieser Zeit absolut entscheidend für den Erfolgsgrad. Andere um Unterstützung zu bitten und aktiv zu netzwerken, ist sicher eine Fähigkeit, die ich erstmal lernen musste – sowohl beruflich wie auch privat, als stolze Mama von zwei kleinen Kindern. Es ist etwas anderes mit Großkonzern im Rücken oder eben als kleines Startup aufzutreten, wenn man etwas will. Wir sind außerdem an einer heiklen Schnittstelle zwischen oft offline tickender Handwerkszunft, die z.T. großen Wert auf Intransparenz legt und serviceverwöhnten Kunden, die „schnell & easy“ übers Internet gewöhnt sind. Das zusammenzubringen ist eine echte Herausforderung. Da hilft es schon mal, mit weiblichem Blick die Männerrunden aufzumischen.

Welche Informationsquellen für Gründer (Blogs, Webangebote, Magazin, Bücher, Beratungsstellen) kannst du anderen Gründern empfehlen?

Die beste Quelle für andere Gründer sind ganz klar Meet-Ups, Gründerstammtische und Messen. Bei diesen Treffen kann man sich super mit Gleichgesinnten vernetzen und so wertvolle Kontakte knüpfen. Besonders bei Messen kann man sich bestens mit anderen Gründern in allen Phasen des Unternehmens austauschen – vielleicht können so auch spannende Zusammenarbeiten entstehen. Auch die Speaker bieten immer wieder einem super Input. Manchmal ist es nur ein Satz, der dir und deiner Idee bzw. der Umsetzung das fehlende Etwas liefert. Zudem empfehle ich allen Gründern auch die Szene immer im Auge zu behalten – am besten durch das Lesen von Blogs oder Google Alerts. In der Anfangszeit hat fuer-gruender.de mir außerdem insbesondere bei der Businessplan-Optimierung wahnsinnig viel geholfen.

Gibt es Vorbilder aus der Gründer- bzw. Startupszene?

Tatsächlich ist ein Vorbild Delia Fischer. Sie hat der Geschäftsidee von Westwing mit Stil und Kompetenz ein Gesicht gegeben und sich selbst zur Marke gemacht. Auch Stories über LeaSofie Cramer, die neben erfolgreicher Unternehmerin auch Business Angel, Verwaltungsrätin und Mutter ist, und gleichzeitig die Welt mit Ihren Produkten ein bisschen schöner machen will, schau ich gerne an. Fantastisch. Es ist wichtig, sich nicht nur die internationalen Superstars wie Elon Musk anzuschauen, sondern auch lokale Helden und vor allem Heldinnen zu finden.

So kann man fokussierter auf sein Ziel arbeiten und schrittweise mehr Erfolg aufbauen, anstatt von Beginn an nach den Sternen greifen zu wollen – das kann nur schiefgehen.

Was würdest du dir von der Gründerlandschaft in Deutschland oder auch an deinem Standort wünschen?

Dass Gründen und ein Unternehmen in den ersten Jahren führen einfacher wird und die Gründer, auf deren Schultern ohnehin riesige Last in Form von finanziellem Druck und Verantwortung liegt, entlastet werden. Weniger Bürokratie bei der Beantragung von Fördergeldern, Entlastungen bei Steuer- und Abgabenlasten in den ersten Monaten/ Jahren, staatliche Bürgschaften für z.B. den leichteren Abschluss von Leasingverträgen, Gründungszuschüsse zeitlich aufstocken etc. Vom Grunde finde ich vieles heute schon viel besser als 2013/14 in unseren Anfängen. Mehr weibliche Gründerinnen, die es schaffen, sollten das Ziel sein – und dafür kann staatlich viel getan werden, z.B. vernünftige Versorgung für Kids (und sei es durch die volle steuerliche Anrechenbarkeit von Kinderbetreuungskosten). Für mich habe ich das alles irgendwie bewältigt. Jetzt sind wir dabei, einen weiteren Finanzierungspartner für die Skalierung zu finden.

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