Interviews, Startups

Interview mit Talentcube: Sebastian Niewöhner, Sebastian Hust, Hendrik Seiler

Könnt ihr euch bitte unseren Lesern kurz vorstellen? Wer seid ihr und was macht ihr?

Hallo, wir sind die drei Gründer Sebastian, Hendrik und nochmal Sebastian, die gemeinsam 2015 Talentcube, eine Lösung für mobile Video-Bewerbungen, gegründet haben. Wir kennen uns bereits aus dem gemeinsamen Bachelor-Studium, bei dem wir gemeinsam in Stuttgart Wirtschaftsinformatik studiert haben. Nachdem wir selber umständliche und langwierige Bewerbungsprozesse durchlaufen haben, bot sich die Masterarbeit von Sebastian an, das Thema „Mobile Recruiting“ und die Veränderungen in der Recruiting-Welt näher unter die Lupe zu nehmen. In Gesprächen mit Bewerbern und Unternehmen wurde schnell klar, dass die heutigen Prozesse veraltet und ineffizient sind und in keiner Weise den Anforderungen junger Jobsuchender gerecht wird, die in den meisten Fällen mit dem Smartphone auf die Suche gehen. Von daher war uns klar: Hier muss Abhilfe geschaffen werden und es schlummert viel Potenzial auf dem Markt.

Was genau macht Euer Start-Up und was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

Talentcube ist Europa’s führende Lösung für mobile Video-Bewerbung und Experte für die moderne Bewerberansprache via Smartphone. Hierfür haben wir eine App entwickelt, mit der Unternehmen eine schnelle und unkomplizierte Bewerbung per Video anbieten können. Die Idee: Bewerber laden sich die Talentcube-App herunter und bewerben sich auf die Stelle, die sie zuvor auf gängigen Jobportalen oder dem Karriereportal des Unternehmens gefunden haben. Sie können dann in der Talentcube-App, je nachdem, was vom Unternehmen gefordert wird, ihren Lebenslauf eingeben und eine Video-Vorstellung von sich hochladen. Der Clou: Die Fragen, die sie im Video beantworten müssen, sind ihnen vorher nicht bekannt, da diese vom Unternehmen individuell gestellt werden. So wird die Bewerbung authentischer als jedes Anschreiben: Die Recruiter bekommen die Möglichkeiten, die Bewerber schon vorab zu sehen, sprechen zu hören und sie können schauen, wie gut er/sie ihre Fragen beantwortet. Bewerber dagegen haben den Vorteil, mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Wissen zu überzeugen, selbst wenn ihr Profil (Studium, Noten, vorherige berufliche Stationen) normalerweise nicht den Anforderungen der Recruiter entsprochen hätten.

Gab es bereits eine Seed-Finanzierung? Crowdfunding? Oder gibt es Business-Angel die euch bei eurem Vorhaben unterstützen?

 Zu Beginn von Talentcube waren wir über das EXIST-Gründerstipendium gefördert, das uns bis Anfang 2016 aus finanzieller Sicht speziell in der Anfangsphase, wo es darum ging, erst einmal ein Produkt zu entwickeln, sehr gut unterstützt hat.

Während der Förderphase konnten wir bereits mit der ersten Version der Plattform live gehen und bereits zahlende Kunden gewinnen. Im Anschluss an das EXIST-Programm waren wir im Accelerator der LMU, dem LMU Entrepreneurship Center, über das wir Büroräumlichkeiten nutzen konnten, mit anderen Start-Ups zusammengearbeitet haben und auf das Netzwerk der LMU zurückgreifen konnten.

Dieses Jahr im Frühjahr haben wir nun unsere Seed-Finanzierung abgeschlossen und arbeiten mit einem early VC zusammen, der uns neben finanziellen Mitteln auch sehr gut bei dem Auf- und Ausbau unserer Vertriebsstrukturen unterstützt.

Ihr seid nach eurer Gründung umgezogen. Warum habt Ihr Euch für München entschieden? Was findet Ihr besonders gut an Eurem Standort?

Das ist richtig, wir haben uns für München entschieden, da speziell für uns als HR-Start-Up das Umfeld hier in München sehr interessant ist. Neben uns gibt es ja auch einige andere HR-Start-Ups in München und wir stellen fest, dass man sich hier ein sehr interessantes Netzwerk aufbauen kann, was uns in der Zeit, seitdem wir hier sind auch schon gut gelungen ist.

Was sind Eure Planungen für die nächsten Jahre? Wird es eine kleine / größere Finanzierungsrunde geben? Wachstumsprognose etc.?

Die nächsten Jahre werden sehr spannend werden, da wir einiges vorhaben. Im Frühjahr nächsten Jahres werden wir uns an die nächste größere Finanzierungsrunde machen, die dazu dienen soll, das Team speziell im Entwicklungs- und Vertriebsbereich weiter auszubauen. Außerdem ist langfristig auch eine Internationalisierung geplant, die sich mit unserem Produkt sehr einfach umsetzen lässt.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihr auf Eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Es gibt immer Herausforderungen, mit denen man sich auseinandersetzen muss, die aber bisher alle zu meistern waren. Wahrscheinlich glaubt man in den meisten Fällen viel zu früh die Anforderungen des Marktes und der Kunden verstanden zu haben, was sich in der Realität dann doch als Trugschluss herausstellt. Deswegen ist der sehr enge Kundenkontakt für uns immens wichtig, um unser Produkt so weiter zu entwickeln, dass es einen wirklichen Mehrwert für unsere Kunden darstellt.

Auch die Besetzung offener Stellen mit den passenden Mitarbeitern kann sich schwieriger gestalten, als man zuvor denkt. Wir haben für uns allerdings festgelegt, lieber führt man einige Vorstellungsgespräche mehr, um den richtigen Kandidaten zu finden, bevor eine Stelle falsch besetzt wird und die Person nicht ins Unternehmen und ins Team passt.

Welche Informationsquellen für Gründer (Blogs, Webangebote, Magazin, Bücher, Beratungsstellen) könnt ihr anderen Gründern empfehlen?

Veranstaltungen, bei denen man sich mit anderen Start-Ups austauschen kann, waren für uns immer sehr hilfreich. So kann man sich ein Netzwerk aufbauen, dass einem in vielen Situationen weiterhelfen kann, speziell wenn man sich mit Dingen auseinandersetzen muss, die man zuvor noch nie getan hat.

Auch das Coaching vom LMU Center & BayStartUP hat uns speziell bei der Vorbereitung der ersten Finanzierungsrunde sehr geholfen, da wir hier tollen Input zu erstellten Unterlagen und dem möglichen Vorgehen erhalten haben.

Gibt es Vorbilder aus der Gründer- bzw. Startupszene?

Eines der größten Vorbilder, ist vielleicht Richard Branson, der es geschafft hat, mit seiner Unternehmensgruppe in ganz unterschiedlichen Bereichen erfolgreiche Unternehmen aufzubauen. Wir sehen Ihn als Pionier, der immer getrieben ist, neue Dinge voranzubringen. Auch Gary Vaynerchuk ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Er hat es geschafft aus einem kleinen Weinhandel seines Vaters ein ganzes Medienimperium zu erschaffen.

Was würdet Ihr Euch von der Gründerlandschaft in Deutschland oder auch an eurem Standort wünschen?

Grundsätzlich ist es toll, dass es viele unterschiedliche Förderprogramme in Deutschland gibt. Allerdings ist die Beantragung dieser Mittel oftmals mit sehr großem, bürokratischem Aufwand verbunden, der dazu führt, dass man wertvolle Arbeitszeit nicht in den eigentlichen Unternehmensaufbau, sondern in das Ausfüllen fragwürdiger Anträge und Formulare steckt. Vereinfachte Prozesse wären an dieser Stelle schon sehr hilfreich.

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