Sonderthemen

Der Euro ist hin- und hergerissen

Da staunte man in Griechenland und auch auf internationaler Ebene nicht schlecht. Laut einer kürzlich von der Universität von Thessaloniki  und dem Sozialforschungs-Instituts DiaNEOsis durchgeführten Umfrage ist eine respektable Mehrheit von 60 Prozent der Griechen der Ansicht, dass ihr Heimatland bessere Zukunftsaussichten mit dem beibehalten des Euros besitzt. Gerade in Angesicht der heftigen Proteste gegenüber den Sparmaßnahmen, die Griechenland in der Vergangenheit auferlegt worden sind, überrascht diese Mehrheit doch viele. Mit 62 Prozent ist eine ebenso große Mehrheit der Auffassung, die Hauptgründe für Griechenlands langanhaltenden finanziellen Notstand liegen in Strukturen des Landesinneren und deren Schwächen begründet.

Wichtiges Signal

Die recht positive griechische Grundstimmung gegenüber dem Euro setzt ein wichtiges Signal zur rechten Zeit. Immerhin ist der Euro durch das Risiko, dass sich in Frankreich mit Marie LePen eine offenkundige Gegnerin der europäischen Währung und des Freihandels an die Spitze der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas setzen kann, in großer Gefahr.

Auch in Italien werden befürwortende Stimmen für Berlusconis vor kurzem geäußertem Plan, eine Prallelwährung einzuführen, lauter. Dabei glich das historische Beispiel, nämlich die nach Italines Besetzung im 2. Weltkrieg von den Alliierten eingeführte Am-Lira, welches er zur Bekräftigung des Plans aufführt,  eher eine finanzpolitische Katastrophe als eine brauchbare Alternative. Auch hier besteht eine nicht zu unterschätzende Gefahr, dass sich mit den Italienern die drittgrößte Volkswirtschaft in ein Debakel stürzt, welches alles andere als stabilisierend auf den europäischen Markt wirken würde.

Die politischen Signale täuschen

Anders als die Stimmen der Politik sprechen die Fakten und die Mitglieder der Finanzwelt eine deutliche Sprache. Die Signale, die Anleger auf Plattformen wie Oanda setzen, spiegeln auch deutlich den in Wahrheit starken Stand des Euros wieder. Zum ersten Mal seit 2008 ist die Wirtschaftsleistung aller Euro-Staaten zuletzt gewachsen. Laut jüngsten Erhebungen des Einkaufsmanagerindizes der Euro-Zone, einer Befragung von tausenden führenden Einkaufsmanagern in der Euro-Zone über deren Prognose über die wirtschaftliche Entwicklung, läuft Europas Geschäftswelt einer rosigen Zukunft entgegen. Besonders positiv ist dieses Ergebnis vor allem, da Einkaufsmanager sich stark mit dem langzeitlichen Ausblick auf die ökonomische Situation beschäftigen und somit eine fundierte Einschätzung  über diesen darbieten können.

Der Februar belegte diese Prognosen mit einer Rekordleistung nach der nächsten. So erreichten der zentrale europäische Index für Produktion mit 56 Punkten und die Anzahl der Auftragseingänge den höchsten Stand seit April 2011. Die Beschäftigungsrate schwingt sich gar auf einen Stand hoch, der seit August 2007 nicht mehr erreicht wurde.

Das Licht am Ende des Tunnels?

Optimistische Stimmen in der Welt der Unternehmen und der Anleger zeugen von felsenfester Überzeugung davon, dass der Februar erst der Anfang war und die Weichen für ein ökonomische Jahr der Superlative 2017 in Europa stellt. Doch gibt es durchaus Dämpfer für die aufkommende Euphorie. In Folge der steigenden Rohstoffpreise ist eine tendenzielle Steigung der Inflationsrate zu beobachten. Bleibt dieses Tendenz jedoch stabil, so sind sich die meisten Wirtschaftsanalysen einig, wird deren Auswirkung auf den Markt gegen Ende des Jahres spätestens wieder nichtig.

Anders hingegen verhält es sich mit den politischen Risiken. Auch wenn die befürchteten extremen Auswirkungen vergangener politischer Überraschungen, wie dem Brexit oder Trumps erfolgreicher Wahl zum Präsidenten, am Markt vorerst ausblieben, könnten die Folgen durch Kursänderungen in direkt am Euro partizipierenden Ländern wie Italien und Frankreich schwerwiegender ausfallen. Das macht 2017 nicht nur zu einem spannenden Politik-Jahr, sondern auch zu einem Jahr, in dem hier in Europa ein entscheidender Teil der Geschicke der Weltwirtschaft bestimmt wird.

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