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„Wir wachsen aus kompletter Eigenleistung“ – Interview mit Clemens Walter von MyCouchbox

Gründer Sarah Haide und Clemens Walter | Foto Copyright: Peter Neher
Gründer Sarah Haide und Clemens Walter | Foto Copyright: Peter Neher

Was genau macht Euer Start-Up genau und was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

Bei MyCouchbox ( www.mycouchbox.de) verschicken wir Süßes, Snacks und Getränke in einer Überraschungsbox. Geschmacklich bieten wir eine große Bandbreite von süß über salzig bis hin zu deftig. Das Besondere an unserem Konzept: die Kunden wissen nicht was drin ist und können jeden Monat aufs Neue spannende Produkte entdecken. Bis zum gespannten Auspacken wecken wir so den kleinen Entdecker in jedem Käufer. Nach dem Verzehr können die Produkte sogar auf unserer Webseite bewertet werden. Besonders für kleinere genauso wie für ausländische Hersteller ist das also ein tolles Tool, um die Konsumenten zu Hause oder auf der Arbeit zu erreichen und auch ehrliches Feedback zu bekommen.

Wo sitzt Ihr und warum habt Ihr Euch für diesen Standort entschieden? Was findet Ihr besonders gut an Eurem Standort?

Wir sitzen in Stuttgart. Die Wahl war jedoch nicht wirklich explizit. Da wir zuvor bei Unternehmen vor Ort „klassisch“ fest angestellt waren, sind wir einfach hier geblieben und Stück für Stück ist unser Team um uns herum angewachsen. Mit der Zeit entdeckten wir die tollen Netzwerke, die fachlich sehr gut ausgebildeten Leute und Stuttgart als neuen Startup-Wachstumsstandort.

Was sind Eure Planungen für dieses Jahr? Wird es eine Finanzierungsrunde geben? Neue Mitarbeiter oder auch neue Büroräume?

Wir wachsen glücklicherweise sehr schnell und das aus kompletter Eigenleistung. Unser Startup wurde mit dem eigenen Geld aufgebaut und ist daher auch zu 100% in unserem Besitz. Zwar hören wir uns aktuell Angebote an, diese würden aber vor allem dem Wachstum dienen. Wir haben beim Launch im Januar 2014 mit 2 Leuten begonnen und sind aktuell auf 12 Mitarbeiter angewachsen. Gemessen an den gestiegenen Anforderungen der mittlerweile sehr vielfältigen Aufgabenbereiche ist unser Personalwachstum also ein klares Ziel für das Jahr 2015. Wir freuen uns sehr über diese stetige Zunahme, jedoch ist diese auch mit regelmäßig auftretendem Platzmangel in unseren Büros verbunden. Umziehen ist daher quasi nebenbei zu einer unserer Kernkompetenzen geworden.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihr auf Eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Die Finanzierung kam und kommt bisher komplett von uns selbst. Das bringt natürlich große finanzielle Entbehrungen mit sich, die sich nur durch Nebenjobs einigermaßen kompensieren ließen. Denn jeder Umsatzeuro wurde zum Re-Investment bei MyCouchbox belassen. Zwei der Gründer haben bspw. bei den „RegioHelden“ interimsweise die Personalabteilung mit aufgebaut. Da war die Defokussierung definitiv eine der Herausforderungen. Wir sind außerdem sehr vertriebsorientiert. Das ist natürlich sehr arbeitsintensiv und geht mit ständiger, eigener Leistungskontrolle einher.

MyCouchBox_Logo

Welche Informationsquellen für Start-Ups und Gründer (Blogs, Webangebote, Magazin, Bücher, Beratungsstellen) könnt ihr anderen Gründern empfehlen?

Das kommt sehr darauf an, von welchem Punkt aus die Gründung startet. Steht die einzelne Gründerperson oder das Kollektiv noch ganz am Anfang, lohnen sich tatsächlich Angebote der Stadt, die beispielsweise Existenzgründerseminare anbieten. Da geht es aber um viel Grundsätzliches und die Vermittlung der zu erfüllenden Voraussetzungen. Hat man dagegen schon eine Idee, z.B. im Digitalbereich, dann sollte man im ersten Schritt einfach Seiten wie „Gruenderszene“, „Deutsche-Startups“ oder „VentureTV“ besuchen. Da gibt´s Fachwissen und Einblicke in die junge Startup-Welt. Der sicherlich wertvollste Rat ist, sich Gründer-Events anzuschauen. In der eigenen Umgebung sind Netzwerke gerade am Anfang das A und O. All diese gesammelten Informationen sollten immer dazu genutzt werden, um praktische, durchführbare Handlungen zur Umsetzung der eigenen Idee zu formulieren. Sprich: Macht es einfach!

Was würdet Ihr Euch von der Gründerlandschaft in Deutschland oder auch an eurem Standort wünschen?

Wir befinden uns bereits auf einem guten Weg. Bürokratische Hürden gibt es und wird es immer geben. Als Gründer muss man sich immer auch als Unternehmer und als Abenteurer verstehen. Wer nur darauf hofft irgendwie gefördert zu werden, um überhaupt erst einmal starten zu können, der sollte das eigene Setup noch einmal kurz überdenken. Wenn wir uns etwas wünschen dürften, dann vielleicht noch mehr Bildungsangebote in Richtung Entrepreneurship, wie es z.B. die Universität Liechtenstein im Master-Studium anbietet. Gerade unsere Generation genießt doch das Privileg eines größeren Freiraumes, im Weltvergleich attraktive Bildungschancen und eine überdurchschnittliche Kaufkraft. Genug Möglichkeiten gibt es also bereits. Insgesamt sind wir jedoch jetzt schon sehr dankbar mit den aktuellen Gegebenheiten und schaffen damit ein tolles Tagesgeschäft.

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