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„Zugriff auf mehr als 255.000 Experten aus 190 Ländern“ – Thomas Jajeh von twago im Interview

Was genau macht Euer Start-Up genau und was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

twago ist der größte paneuropäische Freelancer-Marktplatz und vermittelt online Arbeit an Freiberufler aus den Bereichen Programmierung, (Web-)Design und Unternehmensservices: Dienstleistungen, die von jedem Ort der Welt ausgeführt werden können. Über twago haben Auftraggeber Zugriff auf mehr als 255.000 Experten aus 190 Ländern. Besonders ist, dass twago seit seiner Gründung 2009 mit seinem multilingualen Konzept (Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Französisch) auf europäische Auftraggeber abzielt und dabei anderes als der Wettbewerb versucht, auf die nationalen Wünsche und Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer einzugehen.

Wo sitzt Ihr und warum habt Ihr Euch für diesen Standort entschieden? Was findet Ihr besonders gut an Eurem Standort?

Wir sitzen im Herzen Berlins. Berlin ist als Startup-Hauptstadt Europas der geeignete Nährboden für junge Talente aller Art. Da wir unsere Nutzer in Ihrer jeweiligen Landessprache ansprechen ist unser Team sehr international. Ich glaube nicht, dass es einen geeigneteren Ort gibt als Berlin, um junge, engagierte und tech-verliebte Talente mit vielen verschiedenen kulturellen und muttersprachlichen Hintergründen zu finden.
 
Was sind Eure Planungen für dieses Jahr? Wird es eine Finanzierungsrunde geben? Neue Mitarbeiter oder auch neue Büroräume?

Wir sind in der glücklichen Situation, mit Müller Medien und seit kurzem Randstad zwei sehr starke Investoren gewonnen zu haben, die voll hinter unserem Konzept stehen. Mit dem Investment im Juli 2014 haben wir unseren Kapitalbedarf erstmal ausreichend gedeckt. Neue Partner sind für uns daher momentan nur dann ein Thema, wenn sie uns helfen können, schnell und effizient zu wachsen. Was unsere Mitarbeiter betrifft, so sind wir hier bereits gut aufgestellt: Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten ein sehr gut funktionierendes Team von Experten aufgebaut und arbeiten derzeit sehr effizient und zielstrebig an unseren Plänen. Die ein oder andere Verstärkung wird es wohl noch im IT-Bereich geben, um unseren Kunden neue Produktfeatures noch schneller zur Verfügung zu stellen.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihr auf Eurem Gründungsweg überwinden musstet?

twago hat eine bewegte Vergangenheit. Wir wurden durch diverse, zumeist externe, Herausforderungen des Öfteren auf harte Proben gestellt. Aber auch interne Dinge wie falsche Business-Modell-Entscheidungen oder eine falsche strategische Ausrichtung können ein Unternehmen vom eigentlichen Ziel abbringen. Ich empfehle jedem Gründer sich immer wieder klar zu machen, was die Nutzer eigentlich von einem bzw. seinem Produkt oder Service erwarten. Wenn der Nutzen ersichtlich ist, entsteht auch eine Zahlungsbereitschaft. In vielen Unternehmen steht der Umsatz von Beginn an an der ersten Stelle. Dies kann dazu führen, dass Erwartungen seitens der Nutzer generiert werden, die ein Produkt oder Service nicht befriedigen kann. In solch einer Situation ist es nicht einfach, einen klaren Kopf zu bewahren und sein ganzes Tun nur noch darauf zu beschränken, Symptome zu beheben. Auch twago hat so eine Phase durchlaufen. Wir sind sehr dankbar, dass wir auf Seiten unserer Investoren weitsichtige Entrepreneurs haben, die dieses Problem erkannt und dem Management die Zeit gegeben haben, an den Ursachen zu arbeiten.

Welche Informationsquellen für Start-Ups und Gründer (Blogs, Webangebote, Magazin, Bücher, Beratungsstellen) könnt ihr anderen Gründern empfehlen?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht die größte Leseratte bin. Auch wenn das sicher nicht jedem so geht: Ich finde es oft problematisch, aus Veröffentlichungen praktische Maßnahmen abzuleiten. Mir persönlich hat mein Netzwerk deutlich mehr geholfen. Ich würde empfehlen, auf ausgewählte Events zu gehen, dort mit anderen in Kontakt zu kommen und diese Kontakte auch zu pflegen. Ich habe im Laufe der letzten Jahre ein so großes Netzwerk an Experten aufgebaut, dass ich Ideen und Herausforderungen eigentlich immer mit einer kleinen Gruppe von Spezialisten diskutieren kann. Wichtig und meine ehrliche Empfehlung ist aber nicht, ein Netzwerk von Leuten aufzubauen mit dem Ziel, dass diese einem irgendwann mal helfen. Das wird nicht funktionieren. Ich glaube vielmehr, dass das ganzen Ökosystem zusammen funktionieren muss. Mein Tipp also: Teil dieses Ökosystems werden.

Was würdet Ihr Euch von der Gründerlandschaft in Deutschland oder auch an eurem Standort wünschen?

Ich würde das gerne in Gründer- und Investorenlandschaft trennen. Von den Gründern würde ich mir wünschen, dass sie sich ehrlich austauschen und helfen. Es gibt so viele tolle Menschen und helle Köpfe, die auf ihrem Gebiet Experten sind. Leider finden nur selten wirklich funktionierende Teams zusammen. Zumeist hat man drei gute IT-Experten oder drei gute Marketing-Leute; selten finden sich interdisziplinär herausragende Teams zusammen. Daher ist es umso wichtiger, dass auf Events und Community-Treffen ehrlich Meinungen ausgetauscht und einander geholfen wird, ohne im nächsten Moment an den direkten finanziellen Nutzen zu denken.

Von den klassischen Investoren (VCs, Angels) würde ich mir etwas mehr Weitsicht wünschen. Häufig ist die Absicht eines schnellen Exits nicht mit den strategisch wichtigen Zielen eines Startups vereinbar. Deshalb fokussieren sich viel zu viele Startups viel zu früh darauf, ihre Nutzerbasis bestmöglich zu Zahlungen zu bringen. Bei sehr vielen Startups wäre es deutlich ratsamer, in Traktion und Reichweite zu investieren als in den nächsten zwei Jahren einen Exit zu planen. Exits ergeben sich aus exzellenten Produkten, die einen großen Kundennutzen genieren.

Meiner Meinung nach liegt es nicht, wie häufig zitiert, ausschließlich an den Gründern, dass aus den USA immer wieder erfolgreiche Unternehmen wie Facebook, Twitter, eBay, Instagram und weitere stammen. Vielmehr glaube ich, dass die gleichen Teams in Europa mit den gleichen Produkten zum gleichen Zeitpunkt einfach keine Chance gehabt hätten ihr Produkt so zu bauen, dass es wirklich den Mehrwert bringt, für den die Nutzer bereit sind zu zahlen.

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